1963
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Ein "Mikätzchen" wird 1964 in einer Düsseldorfer Schule empfangen

Ein "Mikätzchen" wird 1964 in einer Düsseldorfer Schule empfangen
Quelle: dpa

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Bildung

Mikätzchen helfen

NRW-Minister Paul Mikat (CDU) hat eine Idee, wie die Bildungsmisere bekämpft werden kann

Das Problem: Den NRW-Schulen fehlen Anfang der Sechziger knapp fünftausend Lehrerinnen und Lehrer. Als dann noch das neunte Pflichtschuljahr eingeführt wird, ist die Situation endgültig untragbar - es muss eine Lösung her.

Die findet der amtierende, erst 37 Jahre alte NRW-Bildungsminister Paul Mikat: Quereinsteigerinnen! Gezielt spricht Mikat verheiratete Frauen an, die "von den Aufgaben in der Familie nicht mehr voll in Anspruch genommen werden" und deshalb Zeit für die Schule hätten. Männer werden aber auch nicht verschmäht ...

Obwohl die Lehrerverbände protestieren und befürchten, dass die Pädagogik auf der Strecke bleibt, startet am 1. Januar 1963 das Aushilfsprogramm - mit einjährigen Schnell-Lehrgängen: 1.910 Frauen und 434 Männer absolvieren die Kurse und können schon zum Schuljahresbeginn 1964 loslegen.

Die im Volksmund "Mikätzchen" genannten Aushilfslehrerinnen und -lehrer unterrichten vornehmlich in den zweiten und dritten Klassen und werden von einem Mentor begleitet.

Nach zwei Jahren Aushilfe haben sie die Option, ein verkürztes Lehrerstudium zu machen und endgültig in den Schuldienst übernommen zu werden - wovon immerhin rund 1.200 Mikatzen und -kater Gebrauch machen.

Die Aktion wird jeweils 1964 und 1967 nochmals wiederholt - erfolgreich. Da aber gleichzeitig auch an den Hochschulen für das Lehramtsstudium geworben wird, gibt es bald genug Lehrpersonal.

Philipp Sanke

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