1956
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Hans-Günther Winkler auf "Halla"

Hans-Günther Winkler auf "Halla"
Quelle: dpa

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Halla, die Wunderstute

Reiter trägt sie zwar - braucht sie aber offenbar nicht: Es geht auch ohne!

Olympische Spiele, 1956: Die deutschen Springreiter könnten Gold holen, wäre da nicht im letzten Parcour eine alte Leistenverletzung bei Hans Günter Winkler aufgetreten ... Winkler, einer der jüngsten Springreiter Deutschlands, tritt trotzdem an, kann seinem Pferd aber keine Führung geben.

In diesem Moment wird "Halla" zur Wunderstute: Nur auf Zuruf von Winkler trägt sie ihn fehlerfrei durch den Parcour! Das ist einmalig im Reitsport, der Gewinn der Goldmedaille geht daher auch fast unter in der Bewunderung von Hallas Leistung.

Die noch nicht einmal aus einer langen Zucht stammt: Ihre Mutter war ein französisches Beutepferd aus dem Krieg, ihr Vater Traber. Und ausgebildet wird sie zunächst auch als Rennpferd, gilt als ungeeignet für Springen.

Dass sie es trotzdem kann, zeigt Winkler, als er 1951 beginnt, mit dem eigenwilligen Tier zu arbeiten: Schnell entlarven sich kleine Marotten des Tieres als Langeweile - und wie die Olympischen Spiele zeigen, ist Halla tatsächlich am Besten, wenn sie gefordert wird.

Als sie 1960, mit 15 Jahren, nur noch zur Zucht eingesetzt wird, hat sie insgesamt drei mal Olympisches Gold gewonnen, dazu noch weitere 125 Springreiten.

Ihre Legende bleibt ungebrochen: Auch im Ruhestand in der Nähe von bulletWarendorf, Deutschlands Reitsport-Hauptstadt, bekommt sie Pakete mit Zucker und sogar Fan-Post aus dem Ausland: Adressiert an "Halla, Deutschland."

Und eine Halla wird es nie wieder geben: Als sie im mit 34 Jahren stirbt, verfügt die Reiterliche Vereinigung, dass kein Turnierpferd mehr unter diesem Namen starten darf. Denn Wunder sind etwas einmaliges.

Dirk Bitzer

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