1996
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Berti Vogts (1974)

Berti Vogts (1974)
Quelle: dpa

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Der Terrier ...

... ist kein Schmuser: Er beißt sich als Spieler auf dem Platz durch, führt Deutschland als Trainer zum EM-Titel 1996, und scheitert doch an seiner öffentlichen Darstellung.

Er ist eine der tragischsten Figuren des deutschen Fußballs: Hans-Hubert Vogts, genannt "Berti". In den Siebzigern Spieler der legendären Gladbacher bulletFohlenelf, und maßgeblich an ihren nationalen und internationalen Titeln beteiligt: Den "Terrier" in der Innenverteidigung spielt kein Stürmer so leicht aus! Und wird folgerichtig 1974 auch Weltmeister mit der Nationalmannschaft.

Nach Beendigung seiner Spielerkarriere arbeitet er als Nachwuchstrainer beim DFB. Er holt die U16-Europameisterschaft, und zwanzig der von ihm ausgebildeten Spieler werden 1990 mit Franz Beckenbauer Weltmeister.

Als er 1990 neuer Nationaltrainer und damit Nachfolger des "Kaisers" wird, ist aber schnell klar, wo seine Defizite liegen: In der Außendarstellung. Vor allem gegenüber den Medien präsentiert sich Vogts als spröder, misstrauischer Interviewpartner.

Das kommt in der deutschen Mediengesellschaft nicht gut an: Die Bild-Zeitung entwirft für ihre erste Seite populistisch ein Rücktrittsgesuch, das Vogts unterschreiben soll. Vogts, ohnehin dünnhäutig bei Kritik, wirkt zunehmend verunsichert, kann sich durch die permanenten Angriffe auch nur schwer Respekt unter den Spielern verschaffen.

Der EM-Gewinn 1996 verschafft ihm zwar kurzfristig Ruhe, zwei Monate nach dem Achtelfinal-Aus bei WM 1998 tritt er aber doch zurück.

Weitere Stationen als Nationaltrainer in Schottland und in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen scheitern ebenfalls. Vielleicht auch an den Ansprüchen, die an ihn gestellt werden: Denn egal, wo er als Trainer arbeitete - mehr Erfolg als er hatten seine Nachfolger auch nie!

Dirk Bitzer

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