1971
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Kultur

Mutter Courage des Jazz

Ilse Storb gründet zusammen mit Joe Viera ein Jazzlabor für Musiklehrerausbildung an der PH Ruhr - Abteilung Duisburg, heute ein Teil der Universität Duisburg-Essen.

Ziel der beiden Musikpädagogen bei der Gründung des Jazzlabors ist die Integration des Jazz in die Ausbildung der MusiklehrerInnen. Zwar gibt es an einigen Musikhochschulen bereits Jazz-Klassen, doch nicht an Pädagogischen Hochschulen.

Das Jazzlabor wird ein Erfolg und erlangt wegen der Qualität seiner Ausbildung internationale Reputation. Einer der Studenten ist bulletHelge Schneider, der später als Musiker und Comedian Karriere macht.

Treibende Kraft dieser Entwicklung ist Ilse Storb. 1929 in Essen geboren, studiert sie nach dem Abitur Musik, Musikwissenschaft, Jazz und Romanistik in Köln, Paris und Boston. Ihre Promotion schreibt sie 1966 über Claude Debussy, ihre Habilitation über Dave Brubeck.

Sie arbeitet zunächst elf Jahre als Musikpädagogin an Gymnasien, wird dann Oberstudienrätin im Hochschuldienst und gründet das Jazzlabor und das Zentrum für Musik und Kunst (ZMK).

1982 wird sie in Duisburg Professorin für systematische Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Jazzforschung und damit die einzige "Jazzprofessorin" in Europa. Sie gründet eine eigene Big Band und forscht u.a. über Louis Amstrong.

Auch nach ihrer Emeritierung 1994 bleibt sie dem Jazz verbunden. Sie hält Vorträge und gibt Konzerte unter anderem in Brasilien, Nigeria und Tunesien. Ihr besonderes Interesse gilt jetzt der Weltmusik.

1998 erhält Ilse Storp für ihre Verdienste um die Völkerverständigung durch Musik das Bundesverdienstkreuz.

2001 schließt die Universität Duisburg das ZMK und das Jazzlabor trotz zahlreicher Proteste. Als Grund müssen "Sparzwänge" herhalten.

Wolfgang Hippe

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