1996
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Preisträger

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Quelle: LZpB NRW

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Staatspreis NRW

Gottfried Böhm

Staatspreisträger des Landes Nordrhein-Westfalen 1996.

Gottfried Böhm (geb. 1920), Architekt und Bildhauer, gilt als einer der herausragenden deutschen Architekten. Er erhielt 1986 für seine Arbeit den Pritzker-Preis, den Nobelpreis der Architektur.

Gottfried Böhm entstammt einer Architektenfamilie. Die Dynastie Böhm reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Sein Vater Dominikus gilt als einer der Erneuerer des Sakralbaus im 20. Jahrhundert. Gottfried ist mit einer Architektin verheiratet, drei seiner vier Söhne sind Architekten geworden. Er arbeitet häufig mit ihnen zusammen.

Gottfried Böhm machte 1938 in Köln Abitur und studierte dann Architektur an der TH München und Bildhauerei an der dortigen Akademie der Bildenden Künste. Nach dem Diplom trat er in das Büro seines Vaters ein, das er nach dessen Tod 1955 weiterführte.

Sein erster eigener Sakralbau war die "Madonna in den Trümmern", einer einfühlsamen Gestaltung der St.-Kolumba-Kapelle in den Resten der im Zweiten Weltkrieg zerstörten altkölnischen Pfarrkirche. Der Name leitet sich von einer wie durch ein Wunder unversehrt gebliebenen spätgotischen Marienfigur ab. Weitere Kirchenbauten sollten folgen.

Böhm war nie ein Bilderstürmer. Für ihn ist Bauen das Schaffen von Gebäuden, die sich Menschen und Umgebung öffnen: "Wir erwarten von den Bauten in einer bestimmten Situation das gleiche, was wir von den Menschen erwarten: einen bestimmten Charakter, der das Originale unverwechselbar kennzeichnet, zugleich aber auch das Einbinden in die Gemeinschaft."

Das Plädoyer für diese Orientierung findet sich auch in einem Sakralbau wieder, für dessen Entwurf Böhm und sein Sohn Paul 2006 - zehn Jahre nach dem Staatspreis - ebenfalls ausgezeichnet wurden: ihr Plan einer Kölner Moschee ist offen zur Stadt, die Kuppel als Weltkugel gestaltet - beides Sinnbilder der Integration.

Doris Kunzmann zu Böhm: "Gottfried Böhm zitiert nie. Er nimmt historische Erfahrungen auf, setzt sie mit seinen Mitteln um, und macht sie auf seine Weise erfahrbar. Ohne das Alte zu vertuschen oder sich anzubiedern, sucht er sensibel nach Verknüpfungen zwischen Alt und Neu, Architektur und Landschschaft, Einzelbau und Ensemble, Technik und Poesie."

Die vollständige Würdigung von Doris Kunzmann ist nachzulesen im Sammelband Gerd Ruge/ Jörg Schäfer (Hg.): Lebensbilder-Landesbilder. Geschichten aus und über Nordrhein-Westfalen, Verlag Aschendorff GmbH&Co. KG , Münster 2003 S. 146 - 153.

Wolfgang Hippe

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