1960
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Der Moskwitsch - Autoimport aus der UdSSR

Der Moskwitsch - Autoimport aus der UdSSR
Quelle: dpa

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Wirtschaft

Die Russen kommen

Vor fünfzehn Jahren schafften sie es nur bis zur Elbe, im Februar 1960 stehen ihre Fahrzeuge in Gronau!

Der "Moskwitsch", erster Autoimport aus Russland, soll die Kapitalisten das Fürchten lehren.

Ausgestattet mit Extras wie Liegesitzen, Radio, zweitem Außenspiegel und den damals in der Bundesrepublik noch nicht vorgeschriebenen Sicherheitsgurten - alles serienmäßig für 5.850 Mark.

Mit dem Moskwitsch kehrt ein guter alter Bekannter zurück nach Deutschland: Der bulletOpel Kadett der Dreißiger Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die russischen Besatzungtruppen die gesamte Produktionsanlage in Brandenburg als Reparationsleistung, bauten sie dort ab und in Moskau wieder auf. Und produzieren seit 1947 den Moskwitsch auf der Grundlage der Opel-Technologie.

Eingestielt hat den Import das "Deutsche Handelskontor Ost", das über gute Wirtschaftskontakte hinter den "Eisernen Vorhang" verfügt, und bereits aus der Tschechoslowakei Autos der dort alteingesessenen Skoda-Werke in die Bundesrepublik importiert.

Das Geschäft mit den russischen Herstellern hat einen besonderen Clou: Bedingung für den Import ist, dass für jeden in der Bundesrepublik verkauften Moskwitsch ein bundesdeutsches Auto in der UdSSR verkauft wird - "Aufschwung Ost-West" für die Autoindustrie.

Einziger Haken an der Sache: Das Handelskontor hat die Lizenz zur Einführung von 500 Moskwitsch - von denen aber gerade mal acht geliefert sind.

Ein Massenerfolg wird der Moskwitsch in Deutschland jedenfalls nicht - und als das Moskwitsch-Werk im Jahre 2006 bankrott seine Tore schließen muss, hat es in fast sechzig Jahren gerade mal 4 Millionen Fahrzeuge produziert.

Dirk Bitzer

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