1960
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Die größte legale Schmuggelaktion

In Dreier-Kolonnen stehen schwerbeladene Lkws auf den Straßen im Selfkant, und so mancher Bewohner fürchtet, dass sich das Land unter der gehorteten Ware noch tiefer absenken könnte ...

Ein höchst offizieller Staatsakt geht dem Massenschmuggel voraus: Im sogenannten Holland-Vertrag beschließen die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland 1960, dass bulletehemals deutsche Gebiete, die die Niederlande 1949 als Pfand für bulletWiedergutmachung durch deutsche Kriegsentschädigung beschlagnahmt haben, wieder zur Bundesrepublik gehören sollen.

Im Gegenzug zahlt die Bundesrepublik 280 Millionen DM an die Niederlande. Die verlieren mit der Grenzkorrektur einen ihrer höchsten Berge: Den Eltenberg, ein stolzer 80-Meter-Gipfel!

Für die deutschstämmigen Bewohner der beschlagnahmten Gebiete, vor dem Gesetz Niederländer, von der Staatsangehörigkeit aber immer noch deutsch, endet eine kuriose Zeit, die wirtschaftlich durchaus ihre Vorteile hatte: Nach dem Krieg kommen zur niederländischen Wiederaufbauförderung noch Gelder der Landesregierung von NRW, die mit diesen Zuwendungen die Verbindung zu den beschlagnahmten Gebieten nicht abreißen lassen will.

Ein echter Coup gelingt jedoch in der Nacht zum 1. August 1963: Eier, Butter, Käse... in den Lagerhallen der Gemeinden stapeln findige Geschäftsleute Waren, die sie um 0.00 Uhr in die Bundesrepublik einführen, ohne sie auch nur einen Meter zu bewegen. Seit Mitternacht ist der Holland-Vertrag offiziell in Kraft, jetzt liegen die beschlagnahmten Gebiete wieder in Deutschland – und alle Waren demnach auch: Zollfrei, durch einfache Grenzverschiebung!

Dirk Bitzer

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