1974
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Sport

Der kölsche Multi-Kulti-Club

"Yurdumspor" - das heißt Heimatsport, und eine Heimat will der Fußballverein bei der Gründung seinen türkischen Mitgliedern auch geben. Bald verändert sich die Bedeutung ...

Natürlich lieben sie Fußball! Doch in einer Zeit, in der Gastarbeiter aus der Türkei in Deutschland zwar Arbeit, aber keinen Anschluss an ihre deutschen Kollegen finden, ist Sport nur sehr schwer im Verein zu betreiben.

Kurzentschlossen entschließen vier fußballbegeisterte Vereinsmitglieder sich, einen eigenen türkischen Verein zu gründen: Heimatpflege in der Ferne.

Bei der Vereinsgründung im Jahr 1974 nennen sie sich noch "Türkdanis", benannt nach der Arbeiterwohlfahrt, bei der der erste Vereinsvorsitzende arbeitet.

Doch mit zunehmender Mitgliederzahl und Spielstärke will man sich nicht mehr abschotten, sondern teilnehmen am Spielbetrieb in den Ligen des Landes, sich hier auch mit deutschen Vereinen messen. Ohne freilich den Grundgedanken aufzugeben.

Ende der achtziger Jahre erfolgt die Umbenennung in "Yurdumspor", parallel zum sportlichen Erfolg will der Verein nun allen Spielern, egal welcher Herkunft, eine Heimat sein. Binnen drei Jahren steigt das Team aus der Kreisliga B in die Landesliga auf - Erfolge, die mit einer Selbstbeschränkung auf türkische Spieler kaum möglich gewesen wären.

Auf dem Platz spricht man deutsch - wobei auch nicht-türkische Spieler schnell die nötigen Kommandos auf türkisch gelernt haben, die einen Gegner zwei mal dumm aussehen lassen: Einmal bei Zuhören, dann beim Hinterherkucken!

Mit dieser Mischung feiert der Verein seinen größten Erfolg: Den Aufstieg in die Amateur-Oberliga, und hier offenbart sich im Jahr 2005 zugleich die größte Schwäche des Vereins.

Auf 100.000 Euro schätzt man die Kosten einer Oberliga-Mannschaft. Doch die dafür benötigten Sponsoren finden sich nicht in der türkischen Geschäftswelt von Köln, und auch für andere Geldgeber ist der Verein mit den türkischen Wurzeln uninteressant.

Nach der Hinrunde zieht Yurdumspor daher seine erfolgreichste Mannschaft aus der Oberliga zurück. Eine Heimat bleibt der Verein für die Spieler aus mittlerweile neun Nationen dennoch!

Dirk Bitzer

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