2001
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Jugendlicher beim Alkoholkonsum

Jugendlicher beim Alkoholkonsum
Quelle: dpa

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Sport

Hoch die Tassen

Junge Sportler trinken je Menge Alkohol! Pressemeldungen sorgen für Aufregung, noch bevor eine neue Studie über "Jugendarbeit im Sportverein" erschienen ist.

Die Aufregung bei Politik und Sportverbänden legt sich nur allmählich, denn die Erhebung des Paderborner Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider und seines Teams zieht ein unbequemes Fazit: Der Sportverein ist für Jugendliche zwar wichtig, wird aber in seiner psychosozialen Wirkung überschätzt.

Zwischen 1998 und 2000 hat das Paderborner Team im Auftrag des NRW-Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport rund 1.500 Jugendliche nach ihrem Verhältnis zum Sport befragt.

Mehr als 60% der 12-jährigen und ca. 40% der 18-jährigen sind aktive Mitglieder im Sportverein - mehr Jungen als Mädchen, mehr Gymnasiasten als Hauptschüler.

Allerdings gelingt es den Vereinen in der Regel nicht, die sportlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen signifikant zu verbessern und vorhandene Leistungspotenziale ausreichend zu fördern. "Entwicklungsvorteile" von Vereinsjugendlichen gegenüber Nicht-Mitgliedern sind für Brettschneider kaum zu erkennen.

Auch beim Alkoholkonsum gibt es zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede - "Sportler" rauchen allerdings deutlich weniger. Das Verhalten schwankt jedoch von Sportart zu Sportart: Besonders aktiv beim Konsum von Alkohol und Nikotin sind Mitglieder von Fußballvereinen.

Nicht nur Prof. Brettschneider, sondern auch andere Sportwissenschaftler empfehlen mehr Realismus und eine Schärfung des tatsächlichen Leistungsprofils der Vereine. Der Sportverein könne nicht alle gesellschaftlichen Defizite beseitigen.

Ein Wissenschaftler warnt die Sportverbände sogar vor allzu viel "Heilsformeln" und damit verbundenen "hochgeschraubten Erwartungen": "Auf diese Weise produzieren die Sportverbände ihre eigenen Legitimationsprobleme."

Man wird sich schließlich einig: der Dialog zwischen Sportwissenschaftlern, dem organisierten Sport und der Politik muss fortgesetzt werden.

Wolfgang Hippe

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