2001
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Bildung

Wenn auf die "Grauen Zellen" kein Verlass mehr ist

Einweihung der Bielefelder Gedächtnis- und Sprachambulanz.

Unser Denken, Handeln, Sprechen und Wahrnehmen wird vom Gehirn gesteuert. Von einem funktionierenden Gehirn hängt es ab, ob wir uns bestimmte Dinge merken, uns auf Arbeiten konzentrieren und mit anderen Menschen sprechen können.

Vielen Menschen fällt es schwer, sich sogar an enge Verwandte zu erinnern oder selbst Dinge ihres täglichen Ablaufs zu planen. Manchen hat es buchstäblich die Sprache verschlagen.

Ihnen kann jetzt zumindest ein Stück weit geholfen werden. Am 7. Dezember 2001 werden die neuen Räume der Gedächtnis- und Sprachambulanz im Gebäude der Bielefelder Universität eingeweiht.

Die Ursachen für Störungen des Gehirns zu ergründen und mögliche Therapien zu entwickeln ist die Angelegenheit einer relativ neuen Disziplin: der Neuropsychologie. Zusammen mit neuen Erkenntnissen der Hirnforschung und der Neurobiologie hat sie unser Verständnis von der Arbeitsweise und Bedeutung des Gehirns radikal verändert.

Selbst der freie Wille, die Selbstbestimmung, wird von einigen Hirnforschern in Zweifel gezogen. Damit werden uralte Kontroversen der Philosophie aufgeworfen: Können wir Menschen frei über unser Schicksal entscheiden oder sind wir durch unsere Natur soweit geprägt, dass wir nur noch glauben, selbstbestimmt handeln zu können?

Bei der Bielefelder Gedächtnisambulanz geht es nicht um die Klärung philosophischer Fragen, sondern um konkrete Hilfe für die Betroffenen und ihren Angehörigen: Was ist zu tun bei einem Schlaganfall, bei einer degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder bei einem Schädelhirntrauma nach einem Unfall?

Hier geht es um konkrete Hilfe für den Patienten und seinen behandelnden Facharzt. Bei den Therapievorschlägen wird der engere medizinische Rahmen verlassen und auch das häusliche Umfeld einbezogen. Ziel ist, eine jedem Patienten angepasste Therapie zu empfehlen und ihn vor allen Dingen mit seiner Diagnose nicht allein zu lassen.

Manfred Mai

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