2008
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Kultur

Dreht euch nicht um, der Datenklau geht um

"Man kann jetzt die Telekom nicht mit der Stasi vergleichen", wiegelt der Kölner Kabarettist Didi Jünemann schelmisch ab, auf dem Höhepunkt der T-Spitzel-Affäre, und sein Sketchpartner Jürgen Becker unterstützt ihn nach Kräften: "Nein, das stimmt. Das kann man nicht. Die Stasi war ein funktionierendes System."

T-Spitzel-Affäre, Diebstahl von Kundendaten, Abhöraktionen gegen vermeintliche Hacker - im Jahr 2008 folgt bei der Deutschen Telekom ein Datenskandal auf den anderen.

Der geringschätzige Umgang des Bonner Kommunikationsriesen mit dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung schlägt hohe Wellen und spült reichlich Satirestoff auf die Kabarettbühnen. Wilfried Schmickler unkt am 27. September 2008 im niederrheinischen Goch: "Dreht euch nicht um, der Datenklau geht um."

Nordrhein-westfälische Satirestars warfen schon immer ein Auge aufs Überwachen: das Düsseldorfer Kom(m)ödchen 1977 aufs erste Bundesdatenschutzgesetz, oder bulletHanns Dieter Hüsch zum Orwell-Jahr 1984 mit der Warnung: "Big Brother is watching you!"

Aber auch der kabarettistische Nachwuchs attackiert den Lauschangriff. Als im Frühjahr 2008 Bundesinnenminister Schäuble die Daten der Lkw-Maut zu Fahndungszwecken nutzen will, ätzt der Bottroper Benjamin Eisenberg: "Das ist geradezu genial. Jetzt brauchen wir eigentlich nur noch ein Gesetz, das die Verbrecher dazu verpflichtet, mit dem Lkw zu fahren."

Walter Muffler

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